Tarifvertrag im Einzelhandel: Rechte, Pflichten und das Gehalt in der Modebranche

Im Zuge der Recherche nach Informationen über das Gehalt in der Modebranche türmen sich im Internet sehr viele Informationen. Stichworte wie „Tarifvertrag“ oder „Manteltarifvertrag“ fallen in diesem Zusammenhang nicht selten. Doch was genau steckt dahinter? Auf FashionKarriere erfährst du was es mit dem Tarifvertrag im Einzelhandel auf sich hat und welche Vereinbarungen sich dahinter verbergen. Möchtest du mehr zum Thema Gehalt in der Modebranche erfahren? Hier geht es zu einer aktuellen Auskunft über das Gehalt im Mode Einzelhandel.

Tarifvertrag im Einzelhandel: Was bedeutet das?

Ein Tarifvertrag regelt Rechte und Pflichten zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer. Die Arbeitsbedingungen wie Entlohnung, Gehalt, Arbeitszeiten und Urlaubsanspruch werden im Tarifvertrag festgelegt. Beispielsweise die Dauer der wöchentlichen Arbeitszeit oder aber die Höhe des Gehalts werden durch den Tarifvertrag im Einzelhandel reguliert. Darüber hinaus wird über die Zahlung von Zuschlägen, zum Beispiel durch Überstunden, oder den Anspruch auf Entgeltfortzahlungen bei Krankheit entschieden. Nach 2020 aktueller denn je, wird auch der Umgang mit der Einführung von Kurzarbeit im Tarifvertrag festgehalten.

Tarifvertrag im Einzelhandel: Wer legt’s fest?

Anders als ein Arbeitsvertrag entsteht ein Tarifvertrag nicht direkt zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber. Der Tarifvertrag ist eine verbindliche Vereinbarung zwischen dem Arbeitgeberverbund und einer branchenspezifischen Gewerkschaft. Um einen Tarifvertrag geltend zu machen, muss der Arbeitgeber also die Voraussetzung erfüllen, im Arbeitgeberbund vertreten zu sein. Die Gewerkschaft, also die Vertreter der Arbeitnehmer, bilden die Tarifkommission. In dieser Kommission können Arbeitnehmer unterschiedlicher branchenzugehöriger Betriebe sein. Die beiden Interessensvertreter handeln dann den Tarifvertrag für die jeweilige Branche aus. Der Staat beziehungsweise der zuständige Bundes- oder Landesminister, erklärt den Tarifvertrag im Anschluss für allgemeinverbindlich.

Die Vorteile des Tarifvertrags im Einzelhandel

Der Tarifvertrag ist für Arbeitnehmer mit einigen Vorteilen behaftet. Die ausgehandelten Arbeitsbedingungen sind Pflicht und nicht jeder muss erst einzeln verhandeln. Zudem sind in einem Tarifvertrag Mindestrichtwerte festgelegt. Konkret bedeutet das, die Anzahl der Urlaubstage oder auch Wochenstunden, die im Tarifvertrag im Einzelhandel festgelegt werden, sind allgemeingültig. Wenn in einem Arbeitsvertrag beispielsweise ein höheres Gehalt oder mehr Urlaubstage vereinbart wurden, gelten diese auch. Ein Beispiel: Wenn der Tarifvertrag im Einzelhandel eine 40-Stunden-Woche vorsieht, dein Unternehmen sich im eigenen Haustarif jedoch auf eine 37,5-Stunden-Woche einigt, musst du auch nur 37,5 Stunden arbeiten. Gleiches gilt bei dem Gehalt im Mode Einzelhandel: Wenn der Lohn bei deinem Unternehmen höher ist als im Tarifvertrag festgelegt, wirst du nicht automatisch auf diesen Richtwert reduziert. Lediglich unterschritten werden darf die festgelegte Grenze für das Gehalt nicht.

Tarifvertrag: Eingruppierung und das Gehalt in der Modebranche

Im Tarifvertrag gibt es für jede Position (zum Beispiel für einen Assistant Store Manager) verschiedene Gehaltsgruppen. Die Eingruppierung in die jeweilige Gehaltsgruppe wird durch Tätigkeitsjahre oder Berufsjahre des jeweiligen Kandidaten bestimmt. Nach Tätigkeitsjahren wird die Eingruppierung berechnet, wenn zum Start der Karriere im Mode Einzelhandel keine Ausbildung vorhanden ist. Nach fünf Tätigkeitsjahren wechselt ein Kandidat automatisch in das dritte Berufsjahr. Wer eine Ausbildung absolviert hat, der startet direkt in das dritte Berufsjahr. Jedoch gibt es eine Ausnahme: Bei der Verkäuferin dauert die Ausbildung lediglich zwei Jahre. Nach diesem Karriereschritt wird ein Kandidat nicht direkt in das dritte Berufsjahr einsteigen. Je nach Bundesland folgt dann mit jedem Berufsjahr eine Gehaltserhöhung. In der Regel steigt das Gehalt in der Modebranche etwa sechs bis sieben Jahre lang. In dieser Zeit gibt es jährlich eine kleine Gehaltserhöhung. Nach Ablauf dieses Zeitraums sind keine Gehaltserhöhungen mehr tariflich festgehalten. Das bedeutet jedoch keineswegs das Ende deiner Lohnsteigerung. Engagierte Mitarbeiter die proaktiv am Unternehmenserfolg mitarbeiten werden geschätzt und durchaus auch nach Jahren noch mit einer Gehaltserhöhung belohnt.

Ausnahmen: Tarifvertrag im Einzelhandel

Natürlich gibt es bei komplexen Verhandlungen auch immer wieder einige Ausnahmen. Bei dem Tarifvertrag im Einzelhandel trifft das zum Beispiel auch auf das Gehalt des Store Managers oder das des Assistant Store Managers zu. Die Managerpositionen werden in der Regel übertariflich bezahlt und sind in einer gesonderten Einteilung aufgeführt. Wer beispielsweise als Sales Assistant gearbeitet hat und anschließend den Sprung zum Assistant Store Manager schafft, bei dem wird der Vertag lediglich angepasst. Würde ein neuer Vertrag mit dem Positionswechsel einhergehen, müsste auch eine erneute Probezeit damit verbunden sein. Wer sich in einer Managementposition befindet muss jedoch auch mit einer höheren Arbeitszeit und wachsender Verantwortung rechnen.

Tarifvertrag im Einzelhandel: Das Fazit

Der Tarifvertrag wird oft auch Haustarifvertrag genannt und lehnt mit seinen Vereinbarungen an dem offiziellen Manteltarifvertrag an. Dieser gilt dann jedoch nur für ein bestimmtes Unternehmen und kann nicht auf andere übertragen werden. Regelmäßig laufen Verhandlungen des Arbeitgeberverbands und der Tarifkommissionen weiter. Wenn Anpassungen im Tarifvertrag stattfinden, dann werden diese automatisch rückwirkend auf das Gehalt gezahlt. Das bedeutet konkret, wenn die Verhandlungen im April anfangen und im August zu Ende gehen, dass das Gehalt rückwirkend zum Start der Verhandlungen (April) ausgezahlt wird. Zudem wird im Tarifvertrag Nachtarbeit, zusätzliche Arbeiten nach 20 Uhr, Sonn- und Sonderöffnungen mit einem gewissen Prozentsatz des Stundenlohns extra entlohnt. Im Durschnitt verdienen Angestellte mit einem Tarifvertrag so ein höheres Gehalt in der Modebranche.